Es ist alles gesagt!

Pan-narrans-Logo-Ausrufezeichen… aber noch nicht von jedem! 😉 Kennt ihr das? Auf einem paleo-Blog oder oder in einer paleo-Community stellt jemand eine Frage. So weit, so gut. In der Regel gibt es schon nach wenigen Minuten die ersten Antworten und meist ist innerhalb der ersten Stunde auch eine brauchbare und gleichzeitig sachliche Antwort dabei. Damit sollte das Thema dann ja eigentlich auch erledigt sein. Denkt ihr? Weit gefehlt! Der echte Spaß geht jetzt erst los. 😉
 
Den Wettbewerb um die blödeste mögliche Antwort auf eine paleo-Frage gewinnt für mich immer noch „Die Steinzeitmenschen hatten das bestimmt noch nicht!“ – „Na klar Du Ober-Troll„, denke ich mir dann immer schmunzelnd. „Und warum liest Du hier überhaupt mit, wenn es in Deiner Höhle doch auch kein DSL gibt?“ Und natürlich wird irgend jemand genau DAS auch antworten und dem Troll sein Zückerchen hinwerfen.
 
Andere Standardantworten sind: „Das steht doch im Paleowiki!“ oder „Mit meiner XYZ-Erkrankung geht das mal gar nicht!“ und „Sei doch nicht so streng mit Dir selbst!“. Unabhängig von dem ursprünglichen Anliegen werden diese drei sich fortan untereinander streiten und die Lösung des Problems anderen überlassen. Und wenn es um grenzwertige Themen wie Muffins, Brot und Kuchen geht oder wenn der Fragende einfach nur Pech hat, wird auch gleich die Paleo-Polizei auf den Plan treten und den Fragenden öffentlich rügen.
 
Wenn ich das lese stelle ich mir immer wieder die Frage: Woher nehmen diese Leute die Selbstsicherheit und das Sendungsbewußtsein? Für einen Blogger mag die Frage seltsam klingen und tatsächlich ist das einer der Gründe, warum es hier in letzter Zeit etwas stiller ist. Wenn diese Leute so missionarisch, besserwisserisch und absolutistisch nach außen wirken, tue ich das dann etwa auch?! Aus der Tatsache, dass ihr hier noch mitlest, kann ich vielleicht folgern, dass es noch nicht ganz so schlimm ist. 😉
 
Oder ich könnte daraus folgern, dass ihr genau DAS braucht. Na gut, soll mir auch recht sein. Denn letztlich schreibe ich ja gar nicht für euch – also weder für DICH noch für DICH oder den anderen da hinten. Ich schreibe das hier nämlich eigentlich einzig und allein für mich. Es muss für mich richtig und wichtig sein. Und unter dieser Prämisse ist eben noch nicht alles gesagt … zumindest nicht von mir!
 
Also stelle ich mir mal die Frage: „Woher kommen diese ganzen Diskussionen?“ Ihr dürft gerne selber antworten, vielleicht unten in den Kommentaren, wenn ihr möchtet 😉 Für den Fall, dass keiner antwortet, hier schon mal meine Theorie:
„paleo“ ist einfach nicht einfach genug.
„Iss keine Tiere!“ kann jeder Depp befolgen, der einen Brokkoli von einem Hirsch unterscheiden kann. „Iss nichts von Tieren!“ ist schon etwas schwieriger, aber im Grunde immer noch Vorschulniveau. Deshalb sind sich Veganer und Vegetarier so einig in ihrer jeweiligen Meinung und bilden so eine erstaunlich homogene Masse (eigentlich zwei homogene Massen, weil sie sich gegenseitig oft weder verstehen noch mögen, aber das ist eine andere Geschichte).
 
Bei Paleo-Verfechtern sieht die Welt schon etwas komplexer aus. Der Ansatz ist einfach völlig anders strukturiert. Ich vermeide Getreide und Hülsenfrüchte weil es mir gut tut. Ich vermeide Milchprodukte, weil ich sie nicht brauche. Ich vermeide industrielle Fertigprodukte, weil ich gerne auf die ganzen Zusatzstoffe verzichte. Ich vermeide Kohlenhydrate, weil ich abnehmen will. Ich vermeide Fleisch aus Massentierhaltung, weil die Qualität minderwertig ist.
 
Das waren jetzt fünf Gruppen von Lebensmitteln bzw. Inhaltsstoffen mit fünf unterschiedlichen Gründen, auf sie zu verzichten. Eigentlich ernähre ich mich also „gesund“, „lecker“, „natürlich“, „low-carb“ und „qualitativ hochwertig“. Damit daraus „paleo“ wird fehlen noch mindestens „saisonal“ und „regional“ sowie schätzungsweise sieben andere Eigenschaften.
 
Aber es wird noch schlimmer: Keine dieser Einschränkungen ist für mich absolut oder dogmatisch. Wenn es den anderen nicht gibt, kaufe ich halt den Knoblauch aus China. Oder ich kaufe die behandelten Orangen und verzichte darauf, die Schale zu verarbeiten. Oder ich kaufe die abgepackte Chorizo vom Kaufland weil sie gut zu meinem Bio-Apfel zum Mittagsimbiß schmeckt. Ich esse sogar das stinknormale, viel zu stark gezuckerte und aromatisierte Milcheis von der italienischen Eisdiele inklusive Hörnchen, wenn es ein sonniger Oktobersonntag mit über 20°C da draußen ist!
 
Und warum? Weil ich es darf. Und wer hat es mir erlaubt? Ich.
 
Undenkbar, dass ein Veganer, der was auf sich hält, mal sonntags ein Frühstücksei isst oder dass ein Vegetarier sich im Stadion eine Bratwurst im Brötchen holt. Müssen sie ja auch nicht, dürften sie meinetwegen aber, wenn sie wollten. Na klar: auch unter den Paleo-Freunden gibt es solche, die das was ich tue für falsch halten. Die dürfen das. Es gibt auch solche die behaupten, das was ich tue, wäre gar kein „paleo“.
 
Und sie haben damit sogar in einem ganz wichtigen Punkt recht: Wer neu mit „paleo“ anfängt braucht eine klare Richtung. Soviel sei zugestanden und in Foren und Communites, die auch der Information von Anfängern dienen, haben weder der Kastanienmehlpfannkuchen noch die 2 Kugeln Ausnahmesonntagseis eine Daseinsberechtigung.
 
Aber überall da, wo Erwachsene Menschen über ihre Erfahrungen im alltäglichen paleo-Leben schreiben und diskutieren gilt: „Dein Paleo“ muss nichtMein Paleo“ sein, damit ich gerne lese, was Du der Welt mitteilen möchtest.
 
Mir ist völlig klar, dass mit dieser Sicht der Dinge mein eigenes Paleobuch wahrscheinlich nur einen sehr kleinen Leserkreis finden wird. Daher verzichte ich gleich ganz darauf, eins zu schreiben – es gibt da draußen mehr als genug Paleobücher. Stattdessen werde ich hier weiterbloggen und euch mit meinen egositischen und eigenwilligen Weisheiten belustigen. Und immer dran denken: „paleo“ ist vielleicht ein Lifestyle, aber keine Religion!

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4 Kommentare zu “Es ist alles gesagt!

  1. Also stelle ich mir mal die Frage: “Woher kommen diese ganzen Diskussionen?”

    Hallo Guido.
    Grade um es Einsteigern einfach zu machen, wird Paleo ziemlich flach dargestellt. Da es aber eine Ernährungsweise ist und jeder Mensch eine andere solche braucht, sich diese womöglich im Laufe seiner Umstellung sogar noch ändert, ist das wirkliche Paleo eben nicht so einfach.

    Eine Ernährung, die mein ganzes Leben lang „funktionieren“ soll und nicht nur ein paar Monate, die muss eben sehr vieles (evtl. auch Vorerkrankungen) berücksichtigen.

    Warum die Leute da so intolerant sind? Entweder haben sie eben die Vielschichtigkeit noch gar nicht verstanden oder sie haben für sich selbst durch irgendeinen Punkt der „Verbotsliste“ eine solch enorme Verbesserung erlebt, dass sie glauben, das gelte generell für alle Menschen und sie müssten ihnen zu ihrem Glück verhelfen. Nur so kann ich es mir erklären, warum ein Mensch dem anderen sein Essen vorschreiben oder verbieten oder madig machen will.

    1. Hallo Christine 🙂 Das ist ein wichtiger Aspekt: Bestimmt gibt es viele Leute, die mit dem Verzicht auf das eine oder andere Lebensmittel extreme positive Veränderungen in Verbindung bringen. Wenn die dann noch 3 andere Leute finden, denen es ähnlich ergangen ist, liegt der Schluss nahe, es könne sich um eine universelle „Heilsformel“ handeln.
      Danke für diesen Hinweis! 🙂

  2. Huhuu Guido 😉

    Hach ja, es ist doch so, dass jeder das tun sollte was ihm guttut! Wenn dir also die neue Ernährung so zusagt, dann solltest du das auch genau so machen, wie es passt! Nach deinen Vorstellungen. Es sind ja keine Gesetze, die unter keinen Umständen gebrochen werden dürfen…wenn es in einigen Fällen mal anders ausfällt, dann sollen andere die es stört sich in die Ecke setzen und heulen…sorry XD Jedem das seine, denn jeder muss selbst wissen, was er seinem Körper zumuten will und was nicht 😉

    Ich lese hier auf jeden Fall weiter, egal ob ich das selbst so praktiziere oder nicht^^
    Und wie du schon sagtest, ist es ja vorrangig dein Tagebuch, dass du freundlicherweise teilst mit uns…von daher, wem es nicht passt was er liest, der solls halt nicht lesen!^^

    Liebe Grüße, Katharina

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