100 Tage Steinzeitfutter – eine Zwischenbilanz

Vor drei Monaten konnte ich mir nicht vorstellen, wie es mir heute geht. Es lag einfach jenseits dessen, was meine Vorstellungskraft erlaubte. Und während ich das schreibe merke ich, dass es ein bisschen pathetisch klingt. Ich wollte eigentlich nicht das 728te Jubelposting unter dem Motto „Paleo ist so toll“ verfassen, bei dem kritische Menschen wie ich sich ständig fragen müssen, ob das wirklich alles echt sein kann. Also mache ich es anders. Ich schreibe zuerst mal darüber, was ich alles doof finde an „paleo“ – und erst im letzten Absatz erfahrt ihr dann, warum ich trotzdem dabei bleiben werde 😉 Also los!
 
Lauch-Paprika-Pfanne an Blumenkohlreis„paleo“ ist zeitraubend. Der Verzicht auf vorgefertigte Produkte führt zwangsläufig zu einem Mehraufwand beim Kochen, der nicht gerade klein ist. Wer sich seine Energieriegel selber macht, anstatt den 12er Pack Müsli-Riegel beim Discounter zu kaufen, braucht halt Geduld. Auch das selbstgemachte Müsli braucht Zeit, ebenso wie so ziemlich jedes Gericht, das man aus frischen Zutaten zubereitet. Die Lunchbox für das Mittagessen bei der Arbeit dauert länger, als sich den vollen Teller in der Kantine vom Tresen zu holen. Und selbst Blumenkohlreis ist nicht so schnell gemacht, wie ein Kochbeutel Parboiled aus der Pappkiste.
 
„paleo“ ist teuer. Frische Zutaten sind einfach nicht so billig zu kriegen, wie verarbeitete und konservierte Fertigprodukte. Reis, Getreide und auch Kartoffeln sind relativ günstig in der Herstellung und liefern viel Energie in Form von Kohlenhydraten. Um eine handvoll Nudeln zu ersetzen, brauche ich sicher 2 Hände voll Zucchini. Lokal und möglichst nachhaltig produziert, schlagen diese frischen Zutaten noch stärker zu Buche. Besonders krass sind die Unterschiede beim Fleisch, da werden schon mal doppelte oder dreifache Preise aufgerufen für vernünftig produzierte Waren. Und an der Kasse lasse ich dann sicher 20% mehr Geld, als die Leute vor und hinter mir, die ihre Einkaufswagen mit Nudeln, Brot, Reis und billigen Fertigprodukten bis über den Rand vollgestopft haben.
 
Obst Himbeeren Banane Aprikose Physalis Limette Avocado„paleo“ ist umständlich. Bevor ich mit dem Steinzeitfutter angefangen habe, konnte ich meinen kompletten Einkauf in jedem beliebigen Discounter erledigen und war nach 20 Minuten wieder aus dem Laden raus. Gerade zu Anfang meiner „paleo“-Zeit habe ich dagegen über eine Stunde in einem großen Supermarkt zugebracht und war noch längst nicht fertig. Heute und mit etwas mehr Routine geht das auch schneller, aber mir fehlen trotzdem noch Sachen. Die Kokosmilch bestelle ich im Internet, ebenso wie das Kokosmehl und diverse andere Spezialitäten. Natürlich muss ich das bei unterschiedlichen Händlern kaufen – die wenigen Spezialläden, die ein mehr oder weniger vollständiges paleo-Produktprogramm anbieten, haben leider meist Apothekenpreise. Außerdem muss ich mindestens 2 oder 3 Mal pro Woche einkaufen, weil sich das ganze frische Zeug sonst nicht hält.
 
Perfekte Paleo Frikadelle„paleo“ ist nicht gesellschaftsfähig. Freunde und Bekannte, ja selbst meine Eltern haben mir zu Anfang mit bangem Blick die Frage gestellt, was ich denn jetzt überhaupt noch essen würde. Der Hintergrund war weniger die Sorge, ich könne verhungern. Vielmehr ging es um die Frage, ob man mir überhaupt noch etwas anbieten könne – oder ob man noch etwas „richtiges“ zum Essen bekommt, wenn man uns besucht. Auswärts Essen zu gehen gestaltet sich sogar noch schwieriger. Wenn es nicht gerade das Steakhaus sein soll, kann man guten Gewissens eigentlich nur auf Salate zurückgreifen – aber Vorsicht beim Dressing!
 
Und trotz alledem werde ich bei meinem „Steinzeitfutter“ bleiben! Warum?

  • Insgesamt fühle ich mich fitter und ausgeglichener. Ich brauche ein bisschen mehr Schlaf, dafür bin ich aber den Tag über wach – ohne Mittagstief oder „Knödelkoma“
  • In 100 Tagen „paleo“ habe ich gut 12 kg Gewicht verloren. Ich habe nicht das Gefühl, dabei auf irgend etwas verzichtet zu haben. Im Gegenteil habe ich ein paar Dinge entdeckt, die mir ohne „paleo“ wohl nicht begegnet wären.
  • Nicht ganz unabhängig von dem Gewichtsverlust habe ich meine sportliche Leistungsfähigkeit gesteigert. Das macht mich zufriedener und glücklicher als früher.
  • Sporadisch aufgetretene Verdauungsprobleme sind Schnee von gestern und meine Hände sind tatsächlich nicht mehr so trocken.
  • Außerdem macht „paleo“ eben doch Spaß. Nämlich spätestens dann, wenn man das selbst gemachte, leckere Essen auf dem Teller hat und weiss: Das ist genau das, was mein Körper braucht. 🙂

Also werde ich weitermachen und freue mich auf mein Projekt für das kommende Jahr: UHU2015

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2 Kommentare zu “100 Tage Steinzeitfutter – eine Zwischenbilanz

  1. Hallo,
    ich gebe dir mit allen Punkten Recht. Wenn ich dann aber manchmal sehe was andere Leute so einkaufen – Pizza, Chips und das höchste der Gefühle ein Apfel – frage ich mich schon was in der Ernährung heutzutage schief läuft. Wir bestellen auch viel im Internet, leider auch bei verschiedenen Händler, da wir auch nicht einsehen in den „Paleo-Apotheken“ einzukaufen.

    LG Nadine

    1. Hallo Nadine 🙂
      Ich bin auch manchmal erschrocken über den Inhalt von so manchem Einkaufswagen. Allerdings erinnere ich mich dann schnell daran, dass meine eigenen Einkäufe in der Vergangenheit oft genau so aussahen :-\ Da freue ich mich dann, dass es heute nicht mehr so ist 🙂
      Liebe Grüße, Guido

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