Von der Entdeckung der Langsamkeit – Der Supermarkt als Oase der Entspannung!?

Als Freund des Steinzeitfutters, der „paleo“ als die optimale Mischung der besten Dinge aus Steinzeit und Moderne versteht, gehe ich natürlich auch in Supermärkte. Supermärkte sind etwas Tolles! Es gibt erstens fast alles, zweitens zu vertretbaren Preisen, drittens in einer vernünftigen Qualität und viertens unter einem Dach. Aber ich vermute, dass nur wenige von Euch den Supermarkt wirklich als eine „Oase der Entspannung“ erleben. Habe ich recht? Natürlich sind Supermärkte weder der beste, noch der einzige Ort, an dem man vernünftig einkaufen kann. „Paleo“-freundliche Produkte finden sich auch an anderen Orten. Ich möchte Euch zeigen, warum ich Supermärkte trotzdem ganz gerne mag.
 
Als die ersten Supermärkte Ende der 50er Jahren in Deutschland eröffneten, veränderten sie das Einkaufsverhalten der damaligen Hausfrauen radikal. Der Einkauf war zuvor ein tägliches Ritual gewesen. Ohne Kühlschränke war es kaum möglich, frische Produkte lange zu lagern und lang haltbare Konserven gab es nur von wenigen Produkten. Ohne den heute so beliebten „Hackenporsche“ war es auch nicht möglich, große Mengen zu transportieren. An die beinahe 100%ige Motorisierung der Einkäufer von heute war damals noch weniger zu denken. Die Hausfrau ging also beinahe täglich zu Fuß von Geschäft zu Geschäft und füllte ihre Tragetaschen, Einkaufsnetze oder Henkelkörbe. Vom Gemüseladen zum Milchmann, zum Fleischer, zum Bäcker, zum Kurzwarenladen. Dabei hatte sie in beinahe jedem Geschäft zu warten, bis sie an der Reihe war und musste jeden Teileinkauf separat in bar bezahlen. Zusätzlich musste sie sich mit übergriffigen Kaufleuten herumschlagen. – Wollt ihr das? Also ich kann darauf verzichten.
 
Image-Roscheiderhof-tante-emma-ladenEine Fernseh-Dokumentation von Radio Bremen über die Konkurrenz der Tante-Emma-Läden (Der Link bei Radio Bremen geht leider nicht mehr, hier habe ich das Video auf Youtube gefunden) kommt sogar zu dem Schluss, dass der Supermarkt die Voraussetzung für die spätere Berufstätigkeit der damaligen Hausfrauen war. Der Supermarkt hat die Beschaffung der täglichen Lebensmittel um so vieles vereinfacht, dass ich es mir anders kaum vorstellen kann. Und nun fange ich also an, mich „paleo“ zu ernähren. Dazu gehört eben nicht nur der Verzicht auf Getreide, Hülsenfrüchte, Milchprodukte und industriell verarbeitete Waren, sondern auch die Konzentration auf lokal und nachhaltig produzierte Produkte. Es ist eigentlich sehr einfach, den Verzicht auf die oben genannten Produkte umzusetzen. Irgendwann kennt man die Alternativen und wenn man im Supermarkt die Abteilungen „Süßwaren“, „Bäckerei“, „Molkerei“, „Fertiggerichte“ und „Wurstwaren“ auslässt, dauert der Einkauf auch nur noch halb so lange.
 
Wie aber setzt man „lokal“ und „nachhaltig“ um, ohne sein Budget zu sprengen?
 
Vor meinem Paleo-Start bin ich auch gerne bei Discountern einkaufen gegangen. Ich habe aber ziemlich schnell feststellen müssen, dass dort eigentlich nur die Preise niedrig sind. Die Auswahl ist eher überschaubar und die Qualität manches Mal leider oft mangelhaft. Bio-Qualität hat Seltenheitswert und Produktalternativen ohne Zusatzstoffe sucht man meist vergebens – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel ;-). Und selbst das Preisargument verliert immer öfter seine Gültigkeit. Wer aufmerksam im Supermarkt nach „Bück- und Streckware“ Ausschau hält, kommt wahrscheinlich zu dem gleichen Ergebnis, wie der WDR-Markencheck: „Jetzt ist der Warenkorb [von 15 Produkten] bei Lidl am günstigsten, gefolgt von Netto, Edeka und Rewe. Der Abstand zwischen Rewe und Lidl beträgt gerade einmal 1,50 Euro.“
 
Markt Pan NarransFür alle, die es gerne besonders lokal mögen, bietet sich auch der „Hofladen“ des nächstgelegenen Bauern an. Wer mobil ist, findet zum Beispiel unter „Dein-Bauernladen.de“ die Adressen, Öffnungszeiten und das Sortiment von Landwirten aus der direkten Umgebung. Aber die weite Anfahrt ist oftmals gar nicht nötig. Wikipedia weiß: „In vielen Städten finden Wochenmärkte mehrmals pro Woche statt. Dabei steht eine große Anzahl Händler mit ihren Ständen in direkter Konkurrenz zueinander.“ Hier gibt es also in der Regel lokale oder zumindest regionale Produkte oft in unterschiedlichen Qualitäten und zu unterschiedlichen Preisen. Außerdem ist man an der frischen Luft, was ja auch nicht schlecht sein kann 😉 Leider hat der Wochenmarkt nicht immer alles das, was man braucht in der Qualität, die man auch haben (und bezahlen) möchte.
 
Und schon bin ich wieder im Supermarkt. Denn da weiß ich sicher, welche Produkte ich bekomme und was sie kosten. Meine alte und neue Heimat Wetter an der Ruhr bietet außerdem ein ganz besondere Kombination aus Wochen- und Supermarkt: mittwochs und samstags von 7 bis 13 Uhr stehen die Markthändler auf dem Bahnhofsplatz direkt vor dem Supermarkt. Besser geht es eigentlich nicht.
 
So schlendern meine Traumfrau und ich also über den Wochenmarkt, kaufen saisonale und regionale Produkte zu vernünftigen Preisen und schlendern dann gemütlich weiter durch den Supermarkt. Eben doch: eine Oase der Entspannung 🙂
 
Und wo geht ihr shoppen? Kauft ihr auch möglichst alles an einem Ort oder habt ihr noch Fachgeschäfte vor Ort, die ihr regelmäßig besucht? Erzählt doch mal in den Kommentaren, ich freue mich auf Eure Erfahrungen 🙂

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5 Kommentare zu “Von der Entdeckung der Langsamkeit – Der Supermarkt als Oase der Entspannung!?

  1. Hallo Guido,

    ich versuche, lokal einzukaufen, ich möchte nicht Herrn Aldi noch reicher machen, sondern ich möchte, dass Produzenten in meiner Region möglichst viel von meinem Einkaufsgeld bekommen (es geht natürlich nicht zu 100 %, das ist klar).

    Da ich nur eine Person versorgen muss, kann ich es mir leisten, in einem Hofladen (mit spärlichen Öffnungszeiten), beim Landmetzger am Ort, in drei verschiedenen Supermärkten (Ketten) in der Kreisstadt, einem Drogeriemarkt (Kette) im Nachbarort, einem Alnatura (auch Kette) und auf dem Wochenmarkt (nur samstags möglich und ich muss extra hinfahren, ist 15 km entfernt) einzukaufen. Meist erledige ich die Einkäufe, wenn ich ohnehin mit dem Auto von/zur Arbeit unterwegs bin.

    In den Supermärkten kaufe ich nur Dinge wie Avocados, Kokosmilch usw. Dass es drei sind, liegt nur daran, dass es beim einen die Kokosmilch meiner Wahl gibt, während der andere Kochbananen hat und der dritte die besten Avocados. Aber von der Menge her kaufe ich dort wenig ein.

    Ich kann aber verstehen, dass Menschen, die eine Familie versorgen müssen, nicht jeden Tag einen Teileinkauf machen wollen.

    1. Hallo Christine,
      ich finde das einfach nur bewundernswert wenn Menschen es schaffen, ihre Einkäufe wirklich „auf dem Weg“ zu erledigen. Bei mir würde das nicht funktionieren, ich brauche immer einen Einkaufszettel.
      (Seit kurzem übrigens digital: „http://www.denkst-du-daran.de„. Da kann meine Traumfrau die Liste genauso ergänzen wie ich und uns geht nichts mehr verloren 😉

      1. Hallo Guido,

        aber ich hab ja einen Einkaufszettel, ganz altmodisch analog noch auf geöffneten Briefumschlägen. Der liegt immer in der Küche; wenn was fehlt, schreib ich’s auf. Und wenn ich außer Haus gehe, nehme ich ein paar Baumwoll-Einkaufstaschen und den Zettel mit. Ich bin ziemlich planmäßig veranlagt, man könnte sagen, ich bin berechenbar 😉

        Es ist für mich leichter, weil nur ich alleine einkaufe. Klar, wenn der eine nicht weiß, was der andere schon besorgt hat, muss man sich anders organisieren. Aber das scheint Ihr doch super im Griff zu haben!

  2. Hallo Guido,
    Du feierst ja unglaubliche Erfolge. Ich habe noch nie von jemandem gehört, der eine Umstellung so konsequent, so lange durchgeführt hat. Chapeau!
    Hier ein Tipp für alle, die Fleisch nicht lassen können und trotzdem ein vertretbares Gewissen pflegen wollen: Ich kann allen Fleischessern den Neuland – Metzger Schmidt in Herne, Bielefelder Straße empfehlen. Ich hatte immer noch mal Ausflüge an die Fleischtheken von Supermärkten und auch in den Großhandel gewagt, aber nun sind wir endgültig von der hervorragenden Qualität überzeugt. Sozusagen ein Fleischanbieter mit Suchtgefahr. Öffnet man die Tür des Ladenlokals wird man von einem unglaublich guten Duft empfangen, der den besten Kaufanreiz gibt. Die Preise zwingen zur Mengenbegrenzung, aber die Qualität sorgt dafür, dass keiner sich in diesem Bereich unterernährt fühlen muss. Weiterhin guten Appetit wünscht Dir
    Kirsten

    1. Hallo Kirsten!
      Da hast Du absolut Recht! Neuland produziert umweltschonend und artgerecht sehr leckeres Fleisch. Fleischer oder Hofläden mit Neuland-Produkten gibt es fast überall und die Preise sind so, wie man sie von einer „vernünftigen“ Tierhaltung erwarten kann.

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